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Fohlenrolle (Das Web nach Fohlenrolle durchsuchen.) graetsche, 23. April 2003 um 14:51:38 MESZ
Diese nicht ganz unumstrittene tschechische Küchenspezialität trägt ihren Namen aufgrund des Gehaltes an gekochtem Fohlenfleisch, welches in einem knusprigen Teigmantel eingebacken und mit Pflaumensoße serviert wird.
Kailoi,
23. April 2003 um 14:59:06 MESZ
Interessant. Das gibt dem Begriff Krönchen-Rolle eine weitere Dimension. Dass der Verzehr von Pferdefleisch so viel anrüchiger ist als der von Rindfleisch hab ich nie verstanden. Dass Fohlen gegessen werden, find ich aber auch seltsam. Werden die extra für die Fohlenrollen geschlachtet?
phaeake,
23. April 2003 um 15:15:04 MESZ
Klare Sache: Menschen unterscheiden bei ihren Nutztieren die, die sie lieb haben und die, die sie schlachten und aufessen. Während in Südamerika Meerschweinchen auf der Speisekarte stehen und in Thailand Hunde, würde in Indien nie jemand einer Kuh etwas zu Leide tun. Das klärt zwar im Ganzen nicht, ob man Pferdefleisch essen sollte oder nicht. Meistens klärt sich die Frage aber schon bei dem geringen Angebot in Schlachtereien aufgrund der geringen Nachfrage.
Aber hallo! Den Kindern wird natürlich etwas anderes erzählt. Ihnen tischt man erst eine Geschichte a la Das Fohlen ist weggelaufen. Das Gatter stand offen. und danach eine Fohlenrolle auf.
Kailoi,
23. April 2003 um 15:22:38 MESZ
... übrigens nicht zu verwechseln mit der Zungenrolle
Kailoi,
23. April 2003 um 15:25:59 MESZ
Aber warum hat der Europäer das Pferd, das Pflug und Karren zieht, lieber als den dasselbe verrichtenden Ochsen?
phaeake,
23. April 2003 um 15:30:19 MESZ
Die Frage solltest Du mal einigen Europäerinnen stellen - nein, ich kann es Dir auch sagen: Weil ein Ochse nicht so viel hermacht, wenn man auf ihm über morgentaubenetzte Wiesen reitet. Pferde haben angeblich etwas mit Eleganz und Aesthetik zu tun. Eine Einstellung, über die sich streiten ließe. Was letztendlich den winzigen Unterschied zwischen Beute und Kuscheltier ausmacht, kann ich Dir nicht sagen. Ein Hinweis darauf, dass es diesen Unterschied garnicht gibt, steckt in der Tatsache, dass Japaner mit Karpfen kuscheln und in Deutschland einige Leute sich Zwergschweine halten.
Kailoi,
23. April 2003 um 15:43:10 MESZ
Dass man das konkrete Kuscheltier (also das Zwergschwein oder den Schmusehasen) nicht auf dem Teller sehen möchte, kann ich ja durchaus nachvollziehen. Beim Pferd schreien aber viele Zeter und Mordio, auch wenn es sich konkret um einen stumpfen Ackergaul handelte, der vom Bauer nicht geherzt wurde und weit weniger Anmutung besaß als ein dampfender Stier.
phaeake,
23. April 2003 um 15:56:53 MESZ
Vielleicht Schubladendenken, Erziehung und so weiter. Sowas wie Man isst doch keine Pferde! Was man erst einmal anerzogen bekommen hat, das kriegt man so schnell nicht wieder raus. Ein Moslem isst kein Schweinefleisch, obwohl wir ihm versichern könnten, dass das ganz okay schmeckt. Nicht wenige Leute finden Krabben, Hummer und Krebse abscheulich - dabei ist deren Fleisch eine Delikatesse. Ich bin mir recht sicher, dass die Sache zu 98Prozent im Kopf stattfindet.
Kailoi,
23. April 2003 um 16:03:13 MESZ
Ich würd da glatt noch 2 Prozent drauflegen. Nur interessieren eben die Mechanismen. Die Ästhetik spielt sicher ein Rolle - vielleicht sogar die Tatsache, dass "Mensch auf Pferd" ein unendlich häufiger variiertes Thema der bildenden Kunst ist als "Mesch auf Rind".
phaeake,
23. April 2003 um 16:21:59 MESZ
meine zusammengelesenen Theorien: Produktionsmittel werden durch ein Tabu vor dem Auffressen geschützt. Warum dann nicht der Ochs? Pferd und Hund waren PM (für die Jagd durch den Mann) in der Zeit, als das Tabu entstand. Rind verdirbt in Gegenden Indien viel zu schnell, also besser die Milch nutzen. Es ist eine Kopfsache, soziale Vererbung sozusagen. Vielleicht brauchen Leute einfach irgendwelche Vorschriften und Tabus.
seewolf,
23. April 2003 um 16:27:33 MESZ
Ich kann mir kaum vorstellen, dass Rinder später als Pferde als Produktionsmittel Verwendung fanden. Man konnte es sich doch früher gar nicht leisten, Rinder einfach so herumstehen und essen zu lassen.
phaeake,
23. April 2003 um 16:38:57 MESZ
pferd is lecker.
mutant,
23. April 2003 um 16:39:00 MESZ
Pferd ist so lange lecker, bis es in Form pideldicker Würste von gierigen (männlichen) Kollegen in der Frühstückspause heruntergeschlungen wird. Überhaupt die Wurstgeilheit der Deutschen: sogar Spargel ist angeblich dann am leckersten, wenn er wurstdick auf den Tisch kommt. (entschuldigt die Abschweifung, fiel mir gerade so ein)
Dicki,
23. April 2003 um 18:43:15 MESZ
Laut diversen Frühgeschichts-Theorien haben Urmenschen und Wölfe früher in Symbiose zusammen in Höhlen gelebt. Sie haben zusammen gejagt und es gibt sogar die Theorie, dass die Idee der Mensch die Idee des persönlichen Besitzes vom Revier-Verhalten der Wölfe "gelernt" hat. Irgedwann wurden die Menschen schleuer (naja) bzw. mächtiger und die Menschen fingen an, die Wölfe abzurichten. Aus den Wölfen wurden Hunde. Es waren vermutlich die ersten Haus/Nutztiere. Pferde und Menschen ergänzen gut. Schaut man sich z.B. den Umgang der Indianer mit den Mustangs (also nach Amerika eingeschifften und verwilderten Pferden) an, so fällt auf, dass die Indianer sich die Pferde nicht wirklich gehalten, oder sie gezüchtet haben, sondern symbiotisch mit ihnen zusammen lebten. Bei Bedarf haben sie sich einzelne Exemplare ausgewählt und sind mit ihnen geritten. Bei Schweinen verlief das ganze vermutlich anders: Die Menschen jagten Wildschweine. Dies bot sich an, da Schweine sich oft in der Nähe menschlicher Siedlungen aufhielten (um sich von deren Essensabfällen zu ernähren). Aus diesem Verhältnis entstand dann die Schweinezucht. Schweine und Kühe eignen sich auch nicht als Jagd-Gefährten (anders als Pferde und Hunde). Alles nur ausgedacht? Kann sein...
_stefan,
27. April 2003 um 12:51:24 MESZ
Nachtrag: Naja, das nächste mal dann in richtigem Deutsch... :-/
_stefan,
28. April 2003 um 16:38:15 MESZ
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