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Emotionsflexibilität (Das Web nach Emotionsflexibilität durchsuchen.)

Konnte mich eigentlich zwischen schwarz und rosa nicht entscheiden, aber gehört hab ich es definitiv in einem sehr pinken Zusammenhang

MargitR, 29. Januar 2003 um 16:41:27 MEZ

Da für mich das Wort tiefschwarz ist, würde mich der pinke (pinkene?) Zusammenhang umso mehr interessieren.

phaeake, 29. Januar 2003 um 16:52:27 MEZ

Sorry, der ist eindeutig zu persönlich. Aber "pinkene" find ich nett. Übrigens hätt ich dem Wort unter anderen Umständen auch als tiefschwarz angesehen. Da sieht man wieder, daß nicht alles pure Semantik ist.

MargitR, 29. Januar 2003 um 17:01:18 MEZ

Ich möchte Ihnen ja nicht zu nahe treten, aber dieses Wort in einem persönlichen (vielleicht gar intimen) Zusammenhang verwendet kommt mir noch ekelerregender vor, als sagenwirmal in einem psychologischen Seminar.

phaeake, 29. Januar 2003 um 17:16:30 MEZ

Der Zusammenhang ist insofern persönlich, als er durch eine sehr lange Vorgeschichte gewachsen ist - und dieses Wort trägt viel dazu bei, einiges in dieser Vorgeschichte in sich selbst ad absurdum zu führen. Und das ist durchaus nicht frei von unfreiwilliger Komik, es ging dabei um ein um Lichtjahre verspätet eingetroffenes AHA-Erlebnis der positiven Sorte - Laurel & Hardy hätten die Geschichte geklaut, würd ich wetten g.

Und in irgendwelchen hobby- oder berufspsychologischen Zusammenhängen und nicht auf die aussprechende Person selbst gemünzt, würde ich für das Wort auch ein ganz besonders dunkles dunkelschwarz wählen, wie erwähnt.

Fällt für mich auch unter diese strange "political correctness"-Kiste. Wortverwendung ist nicht gleich Wortverwendung.

MargitR, 29. Januar 2003 um 17:43:19 MEZ

Ach, deshalb kommt bei den Laurel-und- Hardy-Filmen so oft das Wort "Emotionsflexibilität" vor.

phaeake, 29. Januar 2003 um 18:08:47 MEZ

GENAU! Btw: Wenn man immer auf das gesprochene Wort achtet, kommt man halt nicht weit... auch nicht bei Stan & Olli ;-)

MargitR, 29. Januar 2003 um 18:13:19 MEZ

wozu der hinweis auf P.C.? ich sehe keinen zusammenhang. vielleicht ist es nur einmal wieder das bemühen des stereotyps. wie auch immer; die durch den persönlichen hintergrund entstandene bedeutung kann ich natürlich nicht kommentieren, aber das wort an sich wird vermutlich in der regel in zusammenhängen verwendet, welche es für mich schwarz einfärben.

molily, 29. Januar 2003 um 19:52:13 MEZ

@ molily: allerdings war es das bemühen eines stereotyps, denn diese ganzen Bemühungen um die berüchtigte politsch-korrekte Ausdrucksweise sind doch nichts Anderes. Dadurch sind Worte mit etwas behaftet (ob nun positiv oder negativ ist in meinem Kontext jetzt eigentlich egal). Deshalb ist es kaum noch möglich, sie in einem losgelösten und unzensierten Zusammenhang zu benutzen bzw. für sich neu zu definieren, ohne daß Erklärungsbedarf entsteht. Ich meine damit nicht einmal mein Beispiel der "Emotionsflexibilität", sondern stelle das jetzt allgemein in den Raum. Es läßt sich nämlich mit einer Vielzahl von Wörtern durchspielen.

Ich persönlich bin der Meinung, daß wir es in unserem täglichem Sprachgebrauch zu weit treiben mit dem semiotischen "Kastensystem", das wir uns aufbauen bzw. bereits aufgebaut haben und immer weiter ausbauen. Die "Kaste der unberührbaren Wörter" wächst stetig, die der "brahmanischen Wörter" wird unbedeutender, wie alles, dem zuviel Allgemeingültigkeit und positive Auswirkung nachgesagt wird.

Wer nicht anecken oder gar nicht selbst denken will, braucht sich ihrer nur richtig bedienen zu können - keine allzu hohe Anforderung.

Deshalb freue ich mich immer, ein Wort in einem anderen, dafür ungewöhnlicheren Zusammenhang zu entdecken.

Konkret zu meinem gestrigen Beispiel:

Normalerweise würde ich mit "Emotionsflexibilität" eher die brav-unauffällige Anpassungsfähigkeit des entindividualisierten Individuums assoziieren. Der genaue Wortlaut der Definition ist wieder eine Streitfrage, schon klar, aber ich denke, der Sinn, der dem Wort dadurch gegeben wird, bleibt im Wesentlichen gleich. So ist er eben "korrekt" verwendet, und das wär vermutlich nicht so, wenn es nicht Menschen gäbe, die das als positive Wortbedeutung empfinden. Zu denen gehöre ich nicht, wie gestern schon mehrfach erwähnt.

Aber der Zusammenhang, in dem mich das Wort fast begeistert hat, war eben einer, der diese Wortbedeutung gar nicht zugelassen hat, genaugenommen ist der Begriff "falsch" verwendet worden. Und, daß es mir erstens aufgefallen ist, zweitens Unsicherheit aufgebracht hat, ob ich es hier nun schwarz oder rosa einfärbe, zeigt doch einfach nur, daß es sehr schwierig ist, Wörter pur zu betrachten.

Und damit sind wir wieder zur eigentlichen Ausgangsfrage, die durch Dein Kommentar aufgeworfen worden ist: politisch (und sonstwie) korrekt woll ma halt sein, beeinflußt durch unser jeweiliges Umfeld und einen Haufen anderer Werte. Das war der Grund, warum ich in meinem letzten Posting die P.C. miteinfließen habe lassen - weil es für mich sehr wohl etwas mit der Wortbedeutung bzw. dem "rosa oder schwarz" zu tun hat. Ich hoffe, ich hab mich jetzt verständlicher ausgedrückt, wenn auch um einiges langatmiger, als ich es eigentlich vorhatte.

Das ist doch das geniale an diesem Blog - daß man hier Wörter hinstellt, die dem Zusammenhang entrissen sind (jedenfalls häufig). Damit kann man sie ein bissi entwurzeln, wenn man das will -Entwurzelung birgt die Chance, (Macht-)verhältnisse zu hinterfragen. Und das löst etwas aus, sogar wenn es nur um kleine, unbedeutende Wörter geht.

Übrigens bin ich nicht der Typ "zwanghafte Weltverbesserin", falls der Eindruck mit diesem "Nieder mit der politischen Korrektheit"-Plädoyer entstanden ist, sondern nur eine, die sich gern ab und zu über solche Kleinigkeiten freut.

MargitR, 30. Januar 2003 um 11:41:01 MEZ

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