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Frauen-Segment (Das Web nach Frauen-Segment durchsuchen.) phaeake, 12. August 2002 um 18:59:37 MESZ
In meiner Buchhandlung hab ich die 2 Regalbretter mit sog. Frauenliteratur (Hera Lind &c.) immer Frauenghetto genannt. Das fand mein Abteilungsleiter gar nicht gut.
Hella,
13. August 2002 um 14:20:25 MESZ
Frauenghetto ist eine äußerst treffende Bezeichnung für solche und ähnliche Einrichtungen, insbesondere für Frauenbuchläden (gibts die eigentlich noch irgendwo?).
phaeake,
13. August 2002 um 14:29:17 MESZ
Frauenghetto ist wirklich gut gesagt. Frauenbuchläden gibt's noch, hier in München z.B., aber Frauenghetto paßt auf den Laden überhaupt nicht. Dafür ist er zu weltoffen im Sortiment und auch in der Einstellung der beiden Chefinnen: Reduzierung der Kundin auf irgendein Segment oder eine Gesinnung findet nicht statt. Die bestellen auf Wunsch sogar Hera Lind :o)
Irene,
13. August 2002 um 19:58:20 MESZ
Sind sie denn so weltoffen, dass sie auch männliche Kunden reinlassen und Bücher von Männern verkaufen, die keine ausgewiesenen Feministen sind?
phaeake,
13. August 2002 um 23:17:05 MESZ
Es gibt Bücher von Männern, aber von welchen, weiß ich nicht genau. Männliche Laufkundschaft zählt nicht zur Zielgruppe, wird aber nicht grundsätzlich rausgeschmissen. Wird flexibel gehandhabt, so mein Eindruck. Es geht ja nicht darum, Männer anzugreifen und zu diskriminieren oder Dogmatismus zu betreiben (jedenfalls nicht bei den Münchnerinnen), sondern Freiräume zu schaffen. Und bei einer Buchhandlung, die viel Literatur zu Themen wie Sexualität und sexuelle Gewalt hat, ist das auch nachvollziehbar. Da schätzen es viele Kundinnen, wenn kein Mann im Hintergrund mithört. Außerdem lockt ja gerade ein Frauenbuchladen zuweilen seltsame Typen an.... (Klugscheißer und hauptamtliche Frauenversteher). In München gibt es übrigens einen Sexshop für Frauen, da dürfen grundsätzlich keine Männer rein - außer am Pärchenabend.
Irene,
16. August 2002 um 22:44:05 MESZ
@ Irene Danke für die sachkundige Antwort und die wunderschöne Formulierung "Männliche Laufkundschaft zählt nicht zur Zielgruppe, wird aber nicht grundsätzlich rausgeschmissen." Dass sich diese Einschränkung auf die Laufkundschaft bezieht, könnte man so verstehen, dass als Stammkunden Männer genauso gern gesehen sind wie Frauen. Ich denke, dass das ein Missverständnis wäre. Wenn man irgendwann mal die Gründung eines Männerbuchladens zum Zwecke der Schaffung von Freiräumen für gleichermaßen vernünftig ansieht, dann wäre die Gleichberechtigung wohl endgültig erreicht. Die Parallele zum Frauen-Sex-Shop ist bezeichnend. Der Frauen-Sexshop wurde ja eröffnet, um sich neue Märkte zu erschließen, weil man (wohl zu Recht) annahm, dass viele Fauen sich grundsätzlich für das dortige Angebot interessieren, aber glauben, dass die "normalen" Sexshops nur was für Männer sind. Sollte dem Frauenbuchladen die Auffassung zugrunde liegen, dass "normale" Bücher und Buchhandlungen Männerdomänen sind? Sicher nicht.
phaeake,
19. August 2002 um 10:26:55 MESZ
Das mit dem Sexshop war eben keine Parallele :-) Ob Männerbuchhandlungen sinnvoll wären, das müssen die Männer schon selbst herausfinden. Als Schwulenbuchladen gibt es das ja gewissermaßen schon (der schwule Buchladen ist München um einiges erfolgreicher als der Frauenbuchladen.)
Irene,
27. August 2002 um 21:32:37 MESZ
Männerbuchläden wären sicher nicht sinnvoll. Wenn einer meiner Geschlechtsgenossen behauptete, einen solchen als Freiraum gründen zu wollen, würde ich glauben, ich befände mich in einem Traum nach zu intensiver Lektüre von "Die Töchter Egalias". Auch wenn das jetzt wahrscheinlich wieder nicht als Parallele gedacht war: Ähnlich wie die von Hella so treffend bezeichneten Frauenghettos, gibt es in manchen Buchhandlungen auch Schwulenghettos. Diesbezüglich hat sich Max Goldt einmal darüber beschwert, dass seine Bücher zwischen Spartacus Gay Guide und "Schwul, na und?" stehen. Dass der schwule Buchladen in München erfolgreicher ist als der Frauenbuchladen bestätigt mE doch irgendwie meine allererste Einschätzung, dass sich letztere auf dem absteigenden Ast befinden.
phaeake,
28. August 2002 um 10:23:30 MESZ
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