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Doktorvater (Das Web nach Doktorvater durchsuchen.)

solidarität mit allen akademischen vollwaisen!

phil, 25. Juli 2002 um 14:15:56 MESZ

ja, ein wirkliches kotzwort. vor allem, wenn man gefragt wird: "und wer war ihr doktorvater?" würg.

katatonik, 25. Juli 2002 um 15:06:06 MESZ

Ja. Ich habe ja ein ausgesprochenes Glück mit meinen Profs - wunderbare Leute - aber ich frage mich auch, ob es nicht besser wäre, die Promotion stärker an eine Institution zu koppeln, als an eine Person.

gHack, 25. Juli 2002 um 15:23:38 MESZ

kotzwort find ich das nicht wegen den leuten, sondern wegen der implikationen des wortes selbst: als ob ein doktorand ein kleines kind wär. und was zählt, ist nicht die eigenständige qualität der doktorandenarbeit, sondern der übermächtige name des doktorvaters. brrr.

katatonik, 25. Juli 2002 um 16:59:48 MESZ

was ist eigentlich die weibliche form? doktormutter oder doktorväterin?

StephanSchmatz, 25. Juli 2002 um 20:07:56 MESZ

Natürlich Doktormutter. Man spricht ja auch von den Vätern und Müttern des Grundgesetzes und nicht von den Vätern und Väterinnen.

Ansatzweise witzig find ich ja das Weiterspinnen dieser akademischen Verwandtschaften: Doktorschwester, -großvater, -onkel usw.

phaeake, 25. Juli 2002 um 20:34:00 MESZ

Aha. Wir haben kein Grundgesetz, sondern eine Verfassung und die hat nur einen Vater, der hieß glaub ich Kelsen. Dafür hat sie eine Art Tochter, nämlich das "Unterolberndorfer Programm" (das ist die Verfassung von Uganda).

StephanSchmatz, 25. Juli 2002 um 22:04:02 MESZ

Interessant, Herr Schmatz. Nennen die Ugander (Ugandesen?) ihre Verfassung auch "Unterolberndorfer Programm" oder war das eher so ein Vorentwuf?

Die deutsche Verfassung heißt übrigens deshalb Grundgesetz, weil man nach 1949 Wert darauf legte, dass die neu gegründete Bundesrepublik nur ein Provisorium sei, von wegen der Brüder und Schwestern im anderen Teil Deutschlands. "Verfassung" wäre zu endgültig gewesen. Gerade als man sich damit abgefunden hatte, dass es ewig so bleiben würde, kam die Wiedervereinigung. Man hat dann aber wegen des großen Erfolgs des Grundgesetzes darauf verzoichtet, es anläßlich der Wiederverenigung in Verfassung umzubenennen.

phaeake, 26. Juli 2002 um 09:48:41 MESZ

Doktorvater kommt noch aus der Zeit, als die Doktoranden die Hunde ihrer Profs ausführen durften, als höchste akademische Weihe sozusagen. Die ältere Generation schwärmt heute noch von diesen Zeiten. Ach ja, damals, bei soundso in Köln ... Selbst gehört! Leider hat sich an den realen Vater/Sohn-Verhältnissen im akademischen Betrieb nicht wirklich viel verändert. Ich halte es immer noch für spätfeudalistisch, das System. Man muss bedenken: Die Universität ist die einzige Institution, die die vergangenen 200 Jahre unbeschadet und weitgehend unverändert überstanden hat.

meise, 26. Juli 2002 um 13:40:31 MESZ

nun ja. drehen sie mal die zeitmaschine zurück und zählen sie die studentinnen an einer europäischen universität anno 1802.

katatonik, 26. Juli 2002 um 16:24:41 MESZ

Humboldtsche Universitätsreform war 1810. Seitdem: Ja, StudentInnen sind mehr geworden. Und sonst?

meise, 26. Juli 2002 um 16:32:34 MESZ
  1. Entwicklung zur Massenuniversität.
  2. Verflechtungen Wirtschaft-Uni wesentlich stärker.
  3. Studium ist wesentlich verschulter, dh die Professoren können bei der Ausbildung in deutlich geringerem Maße persönliche Steckenpferde reiten.
  4. In regional unterschiedlichem Umfang: Formen der Mitbestimmung durch Studenten und "akademischen Mittelbau".

Andere Institutionen haben sich mE strukturell weniger verändert, zB die römisch-katholische Kirche.

phaeake, 26. Juli 2002 um 16:47:41 MESZ

Ich glaube, die Soziologen in Münster, wo ich studiert habe, waren in den 70ern die ersten, die mit der Drittelparität ernst gemacht haben. Das Resultat? Eine akademische Leichenhalle. Ansonsten habe ich keine Auswirkungen der Mitbestimmung festgestellt. Die Profs waren immer noch die kleinen, allmächtigen Fürsten, und mit allem beschäftigt, nur nicht mit Forschung und Lehre. Vor allem haben sie sich im Licht ihres Titels gesonnt. Soviel zu Pkt. 4.

  1. stimmt, 2. kann ich nicht beurteilen und 3. trifft imho vor allem auf die FHs zu. Die Katholiken sollte man noch nicht einmal mehr ignorieren, aber irgendwie zeigen sie ja tatsächlich eine erstaunliche - und damit auch schon wieder bewundernswerte Durchhaltekraft. Damit ähnelt die Kirche so seltsamen Idee wie, dass Profs Beamte sein müssen. Wie ich kürzlich irgendwo gelesen habe: Bei uns würde wissenschaftliche Ausbildung immer noch als hoheitliche Aufgabe verstanden, während es andere schon längst als Dienstleistung verstehen. Diesen Erkenntnisgewinn haben wir in D. noch vor uns, und so lange stelle ich mich hin und bezeichne unser Universitätssystem als spätfeudalistisch. Und das hat nix mit Mitbestimmung zu tun, sondern mit der bürokratisch-hoheitlichen Strukturierung der "Bildungsanstalten" und den daraus resultierenden Folgen.
meise, 26. Juli 2002 um 19:34:24 MESZ

@ meise Wenn das Resultat der Mitbestimmung eine akademische Leichenhalle ist, scheint ja doch eine Veränderung - wenn auch zum negativen - stattgefunden zu haben. Oder war die deutsche Universität des 19. Jahrhunderts auch schon akademisch tot?

phaeake, 29. Juli 2002 um 09:58:57 MESZ

@phaeke
Hast die Sophisten studiert, gell?

meise, 29. Juli 2002 um 21:35:45 MESZ

@ meise

Sollte das Kritik an meinem Argumentationsstil sein?

phaeake, 30. Juli 2002 um 10:02:18 MESZ

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