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Afroamerikaner (Das Web nach Afroamerikaner durchsuchen.)

Schlimmes Wort, weil solange echt rassistisch, solange man nicht George Bush als Euro-Amerikaner und Michael Chang als Asio-Amerikaner bezeichnet. Diese aber nennt man einfach Amerikaner, als seien die "reinrassiger amerikanisch" als die Schwarzen, die die Heimat ihrer Vorfahren noch immer im Namen mit rumschleppen müssen. Ganz nebenbei werden auf diese Weise auch noch die amerikanischen Ureinwohner diskriminiert. Äußerst seltsam, dass dieser Begriff als politisch korrekt gilt. Ich bin weder besonderer Verfechter noch Verächter der politisch korrekten Ausdrucksweise, in diesem Fall finde ich aber, dass sie - gemessen an ihren eigenen Maßstäben! - rassistischer ist als viele der Ausdrücke, die sie ersetzt.

phaeake, 17. Juli 2002 um 18:40:23 MESZ

Irgendein US-Politiker hat einst über Südafrika gesprochen und die dortige Diskriminierung der "Afro-Amerikaner" (hat er wirklich gesagt) kritisiert.

StephanSchmatz, 17. Juli 2002 um 21:06:49 MESZ

Das ist ja noch besser als Bushs Frage, ob es in Brasilien auch Schwarze gäbe.

phaeake, 18. Juli 2002 um 11:52:48 MESZ

bei den meisten politisch-korrekten-Ausdrücken ist es so: sie enthüllen mehr als sie verbergen. Der zweite Blick lohnt sich immer. ;-)

mariong, 18. Juli 2002 um 12:51:46 MESZ

Der Ausdruck "politisch korrekt" ist selbst sehr doppelbödig, da vom ehemaligen Emanzipationsbegriff zum rechtsradikalen Schimpfwort mutiert: hier mehr

Irene, 18. Juli 2002 um 19:52:18 MESZ

Danke, spiegelt genau die Zweischneidigkeit wieder, die ich bei dem Begriff verspüre. Einerseits ist es wichtig, rassistischen oder sexistischen Sprachgebrauch als solchen zu erkennen und ihn dann zu unterlassen. Problematisch wird es aber dann, wenn man meint, schon durch die Ersetzung von "bösen" durch "gute" Begriffe die böse Einstellung, manchmal auch: die böse Realität, zu besiegen. Diesem Fehler erliegen manche PC-Befürworter und liefern damit die Argumente für Rechtsradikale, die sich dann als "Verteidiger der Meinungsfreiheit" aufspielen können (so der von dir gefundene Artikel). Dass die Übertreibung von PC, die korrekte Begriffsdurchsetzung um ihrer selbst willen an dieser Entwicklung nicht völlig unschuldig ist, wird mE in demArtikel zu wenig beleuchtet.

phaeake, 18. Juli 2002 um 20:44:09 MESZ

Was ich sagen wollte: Es ist besser, den PC-Begriff gar nicht mehr zu verwenden, der ist nur noch eine Killerphrase. Wenn jemand einen neueren anti-diskriminierend gemeinten Audruck gebraucht, dann kann es ja sein, daß sich der Mensch was dabei gedacht hat. Und wenn man einen Ausdruck unsinnig findet, dann kann man das ja sagen und begründen, ohne jemand das blöde PC-Klischee überzustülpen.

Der PC-Vorwurf und der Begriff selbst beinhalten mittlerweile die Unterstellung, unkritisch einer von außen vorgegebenen Doktrin (böse Meinungsdiktatur von Linken und Feministinnen?) zu folgen, und das ist demagogisch.

Übrigens gab es auf der Homepage der rechtsradikalen "Jungen Freiheit" bis vor kurzem Anti-PC-Aufkleber zu kaufen. Schon das ist ein guter Grund, den PC-Audruck auf den Müll zu werfen. Ich glaube auch nicht, daß die ehemaligen PC-Befürworter und ihr emanzipatorischer Wortschatz (auch wenn er manchmal etwas gespreizt klingt) die Rechten provoziert haben (die Rechten sind so oder so demagogisch und rassistisch und sexistisch). Das hieße ja im Umkehrschluß, daß man vor den Rechten kuschen soll, um sie nicht zu reizen. Ich bin auch nicht bereit, mir eine Schere in den Kopf zu bauen und ständig zu überlegen, ob irgendwas die Rechten provoziert oder nicht: Auf dieser Denkschiene haben wir bereits das Asylrecht auf den Kopf gehauen.

Irene, 19. Juli 2002 um 00:45:56 MESZ

Nee, so meinte ich das auch nicht: Ich glaube, dass zumindest in Deutschland die extremen Vertreter der politischen Korrektheit (also diejenigen, die meinten, durch abstruse Wortbildungen das richtige Bewusstsein erzwingen zu können)sehr viele erstmal belustigt haben. In Verbindung mit einem übertriebenen Sendungsbewusstsein bzw. Aggressivität gegenüber allen, die nicht so sprechen wollten, kam dann vielleicht (auch noch quer durchs politische Spektrum) so etwas wie eine Gegentendenz unter der Fahne der Meinungsfreiheit zustande. Und auf diesen Zug sind dann die Dumpfbacken vom rechten Rand aufgesprungen. Die hätten selbst gar nicht so viel Grips gehabt, diesen Umstand auszunutzen.

Ich glaube auch nicht, dass man den Ausdruck PC nicht mehr verwenden sollte, weil Rechtsradikale das als Schimpfwort verwenden. Dass das, was Linke gut finden, Rechten als schimpfwürdig erscheint, ist doch eigentlich normal. In den USA verwenden viele Rechte (nicht unbedingt Rechtsradikale) "liberal" als Schimpfwort. Soll man deswegen auch dieses Wort streichen?

"PC" ist meines Erachtens eben MEHR als emanzipatorische Sprechweise, es schließt den Auswuchs mit ein, zu dem ich etwa rechnen würde, statt history herstory, oder statt disabled "other-abled" zu sagen. Gerade weil die Übergänge fließend sin, und man vielleicht erst lange diskutieren muss, ob ein neuer Ausdruck anti-diskriminierend oder nur so gemeint ist, finde ich den Ausdruck "PC" so verstanden ganz hilfreich. Dass man damit keine Klischee-Vorstellungen überstülpen will, kann man ja anderweitig deutlich machen (so wie ich es versucht habe).

phaeake, 19. Juli 2002 um 11:07:53 MESZ

fuck pc sagten wir schon vor ca 8 jahren auf sehr schmucken tshirts. das die dumme freiheit alberne aufkleber macht, wen scherts? die sind doch sicher alle haarbenachteiligt und horizonatal herausgefordert..

mutant, 19. Juli 2002 um 14:28:38 MESZ

Sprache ist dazu da, um sich verständlich zu machen. Mit dem PC-Begriff schafft man nur Verwirrung. Siehst Du ja an dieser Diskussion, Phaeke.

Irene, 19. Juli 2002 um 16:20:52 MESZ

das muß pc mäßig heißen Der Afro-US-Amerikaner

obwohl im süden des kontinentes ist das dann einfach nur noch El negro

jeanluc, 19. Juli 2002 um 16:38:50 MESZ

Ehrlich gesagt sehe ich keine Verwirrung. Es ist doch zielmlich klar, was mit "PC" gemeint ist. Eine andere Frage ist, ob man dieses Unterfangen als durchweg positiv bewertet (wie wohl die Erfinder des Ausdrucks PC), ob man es - aus welchen Gründen immer - durchweg negativ sieht, oder ob man - wie ich - versucht, eine differenzierte Sicht zu entwickeln. Aber deswegen können doch alle denselben Begriff benutzen.

Die Kernkraftbefürworter sagen doch auch nicht: "Kernkraft ist ein Schimpfwort der Kernkraftgegner geworden, deshalb müssen wir uns jezt ein neues Wort dafür ausdenken." Vielleicht ist es ein Problem, dass sich heute kaum einer traut zu sagen: "Ich bin für eine Vemeidung eindeutig rassistischen Sprachgebrauchs und dessen Ersetzung durch politisch korrekte Begriffe." Das mag daran liegen, dass der Begriff PC bei uns praktisch gleichzeitig mit Berichten über US-amerikanische Auswüchse bekannt geworden ist. Vielleicht lassen die potentiellen PC-Befürworter auch schneller als Kernkraftbefürworter einschüchtern.

phaeake, 19. Juli 2002 um 16:47:21 MESZ

Atomkraftgegner sagen Atomkraft :-)))

(Kernkraft sagen Bayernwerk und RWE)

Irene, 19. Juli 2002 um 17:21:28 MESZ

Atomkraftgegner sagen Atomkraft :-)))

(Kernkraft sagen Bayernwerk und RWE)

Irene, 19. Juli 2002 um 17:21:30 MESZ

Atomkraftgegner sagen Atomkraft :-)))

(Kernkraft sagen Bayernwerk und RWE)

Irene, 19. Juli 2002 um 17:21:32 MESZ

Wie ist das jetzt passiert??? Egal: Gefällt.

Irene, 19. Juli 2002 um 17:22:43 MESZ
Die Kernkraftbefürworter sagen doch auch nicht: "Kernkraft ist ein Schimpfwort der Kernkraftgegner geworden, deshalb müssen wir uns jezt ein neues Wort dafür ausdenken."
Der Begriff Kernenergie wurde meines Wissens von der Atomindustrie gepusht, da ihnen Atomenergie zu gefährlich klang ("Atombombe" etc.). Aus dem gleichen Grund lehnen die Atomkraftgegner das Wort ab.
bov, 19. Juli 2002 um 17:22:59 MESZ
  1. Die Gegner der "Erzeugung und Nutzung der Kernenergie zu friedlichen Zwecken" (Grundgesetz) bezeichnen sich durchaus auch selber als Kernkraftgegner (Beweis hier und hier)

  2. Zurück zu dem was ich sagen wollte: Vielleicht noch ein besseres Beispiel ist der Umgang mit dem Begriff Jude. Da er von den Nazis als Schimpfwort mißbraucht wurde, trauten und trauen sich viele aufrechte Antifaschisten nicht, "Jude" zu sagen und greifen zu so verhuschten Ausdrücken wie "jüdische Mitbürger". Das ist von den Juden zu Recht kritisiert worden. Es ist doch nicht so, dass an "Jude" etwas anstößig wäre, nur weil es Antisemiten gibt.

phaeake, 19. Juli 2002 um 17:42:56 MESZ

Themaverfehlung. Atomkraftgegener kämpfen nicht gegen die friedliche Nutzung der "Kernenergie", sondern bezweifeln auch, daß Atomenergie zu ausschließlich friedlichen Zwecken genutzt werden kann.

Zum zweiten Link: Wer allen Ernstes durch eine Petition an den Bundestag die Atomkraft abschaffen will, hat nicht kapiert, wie die Sache läuft und welche wirtschaftlichen Interessen dahinterstehen. Unter Anti-AKW-Bewegung kenne ich was ganz anderes.

Phaeke, Du hast ein Faible für Wirrköpfe und abwegige Beispiele.

Irene, 19. Juli 2002 um 17:54:48 MESZ

Dann lass uns doch mal zum Thema zurückkommen. Verstehe ich dich richtig, dass du es für einen guten Umgang mit Sprache hältst, wenn man an der Wahl des Begriffs schon gleich sieht, welche Einstellung der Sprecher zum Begriff hat? (Dass gerade das Begriffspaar Atomkraft/Kernkraft ein Beispiel dafür ist, dass so etwas passieren kann, gebe ich zu - von daher war mein Beispiel ungeschickt gewählt)

Aha, die Frau sagt Atomkraft, also ist sie dagegen. Aha, der Herr sagt Kernkraft, also ist er dafür. Was? Dieses Neutrum sagt Kernkraft, ist aber dagegen, muss wohl ein Wirrkopf sein, der nichts verstanden hat.

phaeake, 19. Juli 2002 um 18:06:11 MESZ

Quatsch. Aber man drückt durch die Wortwahl auch nebenbei den eigenen politischen Hintergrund aus. Nicht durch ein einzelnes Wort, aber alles in allem entsteht ein gewisses Bild.

Und daß die meisten aktiven Atomkraftgegener beim ursprünglichen Audruck bleiben, nachdem die Atomindustrie irgendwann auf "Kernkraft" umgestellt hat, gefällt mir.

(Kann gut sein, daß Atomkraftgegner speziell im Internet auch das Wort Kernenergie / Kernkraft zusätzlich verwenden, damit Leute, die diesen Begriff bei den Suchmaschinen eingeben, nicht nur auf den Seiten der Atomindustrie mit ihrem Kernjargon landen. Subversive Verwendung sozusagen.)

Irene, 19. Juli 2002 um 18:51:09 MESZ

...genau ein gewisses bild. wenn ich sage 'RTL nazis'.

alles verbale brennstäbe.

jeanluc, 19. Juli 2002 um 19:15:34 MESZ

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