Kompetenzteam
                            ... für schöne und für schlimme Wörter
 
Unwort des Jahres gesucht (Das Web nach Unwort des Jahres gesucht durchsuchen.)

vgl. www.unwortdesjahres.org

roland, 16. Oktober 2002 um 16:52:43 MESZ

ich nominiere "Kompetenzteam".

kris, 16. Oktober 2002 um 16:56:48 MESZ

Ich bin für "zielgruppenspezifisch". Jeder Penner meint doch heute fast, er müsste zielgruppenspezifisch schnorren ;) Das Wort wird eindeutig zu oft benutzt!

pollux, 16. Oktober 2002 um 17:39:13 MESZ

kompetenzteam ist auch mein favorit, aber das wird nie und nimmer genommen, weil es dann gegen eine volkspartei ginge.

roland, 17. Oktober 2002 um 02:08:00 MESZ

Das ist nicht das entscheidende Argument. Kohls "kollektiver Freizeitpark" war auch mal ein Unwort (wenn auch - glaube ich - nicht auf Platz 1). Gesucht werden Wörter, die "besonders negativ aufgefallen sind, weil sie sachlich grob unangemessen sind und möglicherweise sogar die Menschenwürde verletzen". Am liebsten prangert man natürlich den Menschenwürdeverstoß an. Den wird man aber für Kompetenzteam kaum feststellen können. Ich tippe auf Präventivkrieg.

Übrigens ist es sehr erhellend, nach "Kompetenzteam" zu googeln: Auf Platz 1, 2 und 4 stehen wir. Ein Schill-Kompetenzteam ist auch relativ weit vorne mit dabei. Die das Unions-Kompetenzteam betreffenden Links sind entweder tot, oder führen zu vehementer Sprachkritik.

phaeake, 17. Oktober 2002 um 10:12:50 MESZ

Ich schlage »soziale Gerechtigkeit« vor. Nicht, weil die SPD sich dafür stark macht, sondern weil der Begriff das Falsche meint. Denn soziale Gerechtigkeit bedeutet nicht nur, den Ärmeren unter uns immer mehr Geld zuzuschieben und sie so zu fördern, dass sie besser für ihren eigenen Lebensunterhalt aufkommen können, sondern eben auch, dass die Leistungsträger unserer Gesellschaft nicht noch weiter zur Kasse gebeten werden. Ansonsten verkommt soziale Gerechtigkeit zum sozialistischen Prinzip.

olau, 18. Oktober 2002 um 08:12:47 MESZ

Du willst also einen Ausdruck als "Unwort" vorschlagen, weil viele Deines Erachtens eine Politik betreiben, die dem mit dem Begriff bezeichneten Ziel zuwiderläuft? Entschuldige, aber das ist ja noch politischer und noch weniger sprachbezogen als die bisherigen Auszeichnungen der Unwort-Kommission.

phaeake, 18. Oktober 2002 um 09:39:10 MESZ

In der Satzung der Unwort-Kommission wird zwar sprachkritische Reflexion verlangt, aber auch deutlich darauf hingewiesen, dass das Unwort des Jahres »die Erfordernisse sachlicher Angemessenheit und humanen Miteinanders besonders deutlich« verfehlt.

Ich finde, dass meine Begründung den Ausdruck der »sozialen Gerechtigkeit« in Anbetracht dieser Kriterien durchaus für eine Nominierung qualifiziert – Politik hin, Politik her…

olau, 18. Oktober 2002 um 19:02:18 MESZ

Es wird doch niemand (vielleicht außer den Mitgliedern der kommunistischen Plattform der PDS) bestreiten wollen, dass bei der Verwirklichung der "sozialen Gerechtigkeit" ein Mittelweg zwischen einer egalitären Verteilung aller Güter und einem reinen Leistungsprinzip gefunden werden muss. Daher wäre dieser Begriff nur dann ein Unwort, wenn sich unter diesem eine Verteilungspolitik verbergen würde die gar nicht diesen Mittelweg, sondern etwas anderes (zB radikalen Egalitärismus) verfolgt. Ob dass hir zu Lande der Fall ist (NB: Stoiber hat der SPD vorgeworfen, die Kleinverdiener gegenüber den Großunternehmen zu stark belastet zu haben), lässt sich nur durch politische Wertun ermitteln.

Wollen wir wetten, dass Soziale Gerechtigkeit NICHT das Unwort des Jahres wird?

phaeake, 18. Oktober 2002 um 19:18:34 MESZ

Ich habe den Eindruck, Du beschreibst einen statistischen Mittelweg getreu der Anekdote: Einmal schießt der Jäger links am Hasen vorbei, einmal rechts, statistisch gesehen ist der Hase nun tot.

Ich stelle nicht in Frage, dass der tatsächliche Verteilungsschlüssel weder am einen noch am anderen Ende Deiner Skala ("egalitäre Verteilung", "Leistungsprinzip") liegen darf. Aber den Mittelweg gibt es eben auch nicht. In dem Moment, wo der Verteilungsschlüssel unfair wird, kann er nicht mehr sozial gerecht sein.

Zur Wette: Nö ;-)

olau, 18. Oktober 2002 um 19:42:00 MESZ

Zur Wette: schade, ich gewinne doch so gern. Zur Sache: Und wie kommst du zu dem Ergebnis, dass der Verteilungsschlüssel unfair ist (ist er doch Deines Erachtens, oder?), wenn es den Mittelweg nicht gibt?

phaeake, 18. Oktober 2002 um 20:01:32 MESZ

Präventivkrieg hat gute Chancen, denke ich. Ähnlich gut könnte es auch für "Kreuzzug" oder "Achse des Bösen" laufen, oder?

roland, 18. Oktober 2002 um 22:03:22 MESZ

"krieg gegen den terror" ist zwar sprachlich gesehen nicht auffällig, hat aber als synonym für den moralischen blankoscheck, welcher staatsterrorismus legitimiert, eine himmelsschreiende brisanz. wenn man zudem die us-amerikanische debatte über den "gerechten" krieg addiert, vereinigt "krieg gegen den terror" sowohl "achse des bösen" und auch "kreuzzug" in sich. allein schon "9/11" ist ein kampfbegriff, welcher alle ekelhaften entwicklungen seit den attentaten wie nationalismus, terror- und gegenterror, aufgemischte hochzeitsgesellschaften, otto-kataloge etc. in sich vereinigt. "uneingeschränkte solidarität" würde ich auch noch zusätzlich vorschlagen.

molily, 19. Oktober 2002 um 02:28:56 MESZ

Zum Verteilungsschlüssel: Unsere Diskussion verfährt sich ein bisschen. Tatsächlich geht es bei sozialer Gerechtigkeit ja nicht nur um die Verteilung von Gütern, sondern auch um die Belastungen, die der Staat seinen Menschen auferlegt (die Vermögenssteuer ist glücklicherweise erstmal vom Tisch; es bleiben aber Öko-Steuer und Solidaritätszuschlag, die der Gesellschaft einen zweifelhaften Nutzen bringen) und um bürokratische Hürden, die Bürgern aus allen Schichten das Leben in unserem überreglementierten Staat erschweren. Hier ins Detail zu gehen, sprengt den Rahmen dieses Threads, denke ich. Vielleicht schreibe ich dazu (und zur Güterverteilung) demnächst mal was in meinem Weblog.

Abschließend zur Wette: Den Begriff der »sozialen Gerechtigkeit« habe ich für das Kompetenzteam-Weblog als Unwort nominiert, aber nicht bei der Unwort-Kommission eingereicht. Ich lege keinen gesteigerten Wert darauf, dass es dort zum Unwort des Jahres 2002 gekürt wird. (Nur, falls Du das missverstanden hast.)

So long und danke für die kritischen Statements…

olau, 19. Oktober 2002 um 10:31:55 MESZ

Ich glaube, ich lege mich persönlich auf Ich-AG als doofstes Wort des Jahres fest.

roland, 21. Oktober 2002 um 03:54:04 MESZ

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