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                            ... für schöne und für schlimme Wörter
 
Patenbrigade (Das Web nach Patenbrigade durchsuchen.)

nochmehrfeier :D

Sebbel, 26. August 2002 um 20:56:48 MESZ

Ist heute bei Ihnen Tag der Republik, Frau Mirus? ;-)

tinto, 26. August 2002 um 21:59:39 MESZ

Sicher werde ich die DDR-Nostalgie nie nachvollziehen können. Aber selbst wenn ich das könnte, würde ich es wohl noch für ungerechtfertigt halten, Wörter schön zu finden, in denen sich geradezu idealtypisch die Bestrebungen der Diktatur zeigen, Familienverhältnisse zu verstaatlichen, Arbeitsverhältnisse zu militarisieren und vor allem Kinde und Jugendliche von Anfang in diesen geistigen Unrat einzubeziehen. Daher in meinen Augen: tiefschwarz.

phaeake, 27. August 2002 um 10:26:05 MESZ

finde das Wort unschön. Daß angenehme persönliche Erinnerungen damit verbunden sind, rechtfertigt allein das rosa nicht. Zur Militarisierung von Arbeitsverhältnissen: vorige Woche begegnete ich in einer kleinen (deutschen) Firma dem 'Chief Executive Officer'. Ich vermisse dann doch die Uniform, andererseits kommunizieren sie alle dasselbe, stylen sich ähnlich und haben identische Wahrnehmungsstörungen (die sie selbst eher mit "Konzentration auf das Wesentliche" beschreiben würden).

Dicki, 27. August 2002 um 11:33:47 MESZ

Natürlich ist 'Chief Executive Officer' ein schlimmes Wort in Tateiheit mit grobem Unfug. Aber ist es eigentlich wirklich miltärisch? Kann nicht "Officer" auch jeder Beamte sein? Trotzem witzig, eigentlich wollen die Chefs der Privatwirschaft kein Beamtenimage haben, aber wenns so schick klingt, machen sie doch glatt eine Ausnahme.

phaeake, 27. August 2002 um 11:51:22 MESZ

Ey, ich hab mich einfach darüber gefreut, dass mir das noch einfiel. :o) Alles nur Spaß, es lebe der achwasweißich. :D

MfG Frau Mirus :o)

Sebbel, 27. August 2002 um 11:58:57 MESZ

Glücklich der, dem alles schön erscheint, was ihm noch einfällt. Erleichtert:

phaeake, 27. August 2002 um 12:04:35 MESZ

Mir fallen zu dem Wort auch in erster Linie nette Leute und bunte Nachmittage mit Kaffee & Kuchen & Luftballons etc. ein und nicht Militarisierung und geistiger Unrat. Aber okay: Wenn Leute in einem Betrieb Patenschaft für eine Schulklasse übernehmen und was mit denen unternehmen, dann ist das natürlich ein ganz ganz schlimmer Auswuchs einer finsteren Diktatur gewesen! Gut, dass es sowas nicht mehr gibt.

tinto, 27. August 2002 um 12:54:13 MESZ

Los tinto, lass uns eine Brigade sein. :o) Kuchen back ... und ihr anderen dürft nicht mitmachen ätschibäh... :o)

Ich seh es genauso wie du, alles totalitärer Auswuchs an Kinderfreundlichkeiten, mit Ballons und feiern und Topfschlagen... schlimm schlimm war das. ;o) Und nach der Betriebsbesichtigung mußten wir alle wieder in die Keller, war das bei euch auch so tinto? ;o)

Sebbel, 27. August 2002 um 12:58:37 MESZ

Wir mussten gleich mitarbeiten. Das totalitäre System hat die kindliche Begeisterung an Hebeln und Knöpfchen und blinkenden CAD/CAM-Systemen schamlos ausgenutzt. Verdeckte Kinder-Zwangsarbeit war das.

tinto, 27. August 2002 um 14:06:46 MESZ

kinder, welch ein glück!

tobi, 27. August 2002 um 14:42:12 MESZ

Ich gewinne den höchst subjektiven Eindruck, dass Eure Patenbrigaden ganze Arbeit geleistet haben.

phaeake, 27. August 2002 um 14:45:50 MESZ

Da kannste mal sehen: Gehirnwäsche perfekt organisiert!

tinto, 27. August 2002 um 15:23:47 MESZ

Patenbrigade war gute Idee. In der Waldorfschule heißt es "Besuch beim Biobauern", ist aber dasselbe.

shelog, 29. August 2002 um 14:37:34 MESZ

@shelog & tinto Auch an staatlichen westdeutschen Schulen wurden und werden Betriebe besucht, wogegen selbstverständlich nichts einzuwenden ist. Ich störe mich in erster Linie an dem Wort, in zweiter Linie an der dahinter stehenenden Ideologie. "Brigade" ist eindeutig militärisch konnotiert. Das Wort "Produktionsbrigade", von der sich ja wohl "Patenbrigade" ableitet, steht daher für die Militarisierung der gesamten DDR-Gesellschaft (vgl. auch "Junge Pioniere"). Auch die Verwendung des aus dem familiären Bereich stammenden Wortes "Paten" empfinde ich als Beleg für die Verstaatlichung aller privaten Lebensäußerungen. Dass sich "Leute in einem Betrieb" (tinto) so reizend und natürlich ganz aus eigenem Antrieb dazu entschließen, eine Patenschaft für eine Klasse zu übernehmen, vermittelt den Kindern doch eines: Die staatliche Schule organisiert Euch alles, auch den Kontakt zu anderen Erwachsenen als den Eltern.

phaeake, 29. August 2002 um 15:40:31 MESZ

phaeake: Wessi oder Ossi? ;o)

Sebbel, 2. September 2002 um 03:27:16 MESZ

Natürlich Wessi

phaeake, 2. September 2002 um 04:09:47 MESZ

Das ist dann wohl, als ob du als Mann über die Menstruationsschmerzen von Frauen redest. ;o)

Sebbel, 2. September 2002 um 13:58:24 MESZ

Genau und wer das Dritte Reich nicht selber miterlebt hat, soll auch ganz ruhig sein, wenn es um die Bewertung dortiger Vorgänge geht.

phaeake, 2. September 2002 um 14:18:42 MESZ

Nein, aber er sollte vielleicht nicht das Dritte Reich mit der DDR der 80er Jahre vergleichen, wenn er wenig Ahnung von der DDR hat. Das relativiert nämlich das Dritte Reich in den Augen der jungen Ostdeutschen, die im Gegensatz zu Dir die DDR der 80er kennengelernt haben.

seewolf, 2. September 2002 um 14:29:20 MESZ

Ich habe nicht die DDR mit dem Dritten Reich verglichen. Es ging mir um die Argumentation, diejenigen Menschen, die den jeweiligen Staat nicht selber miterlebt haben, dürften zu den dortigen Vorkommnissen nichts sagen. Ich denke, dass das jedem, der die Kommentare liest, klar sein müsste.

phaeake, 2. September 2002 um 14:35:34 MESZ

Nun, vielleicht habe ich vorschnell Deine vorherigen Diskussionsbeiträge in einer Argumentationskette gesehen: DDR-Nostalgie, Diktatur, Drittes Reich. Ant.schuldigung. Aber es ist schon interessant, mal die DDR von außen gesehen zu bekommen. Du sollst also keinesfalls ruhig sein, aber erwägen, ob andere vielleicht auch gewichtige Gründe haben, die Dinge anders zu sehen.

seewolf, 2. September 2002 um 14:47:20 MESZ

Geht in Ordnung. Selbstverständlich kann man dass Wort "Patenbrigade" (und die von ihm bezeichnete Einrichtung) schön finden. Ich habe versucht, zu erklären, warum ich das nicht so sehe. Dass die Argumente für die Schönheit (insbesondere von Sebbel) eher aus dem privaten Bereich kamen und daher für mich nicht unbedingt nachvollziehbar sind, soll selbstverständlich nicht heißen, dass sie weniger gewichtig wären. Aber weil wir grad so schön diskutieren: Hast Du Zweifel daran, dass die DDR eine Diktatur war?

phaeake, 2. September 2002 um 15:03:37 MESZ

Ha, da packt Dir der gelernte DDR-Bürger das ML-Zeugs aus und erklärt den dialektischen Zusammenhang von Demokratie und Diktatur. Nee, keine Lust auf so ne Diskussion zwischen Tür und Angel, weil die Totalitarismus-Doktrin mehr kaputt gemacht hat als erklärt.

seewolf, 2. September 2002 um 15:41:11 MESZ

Ach so ein Quatsch. Bissel differenzieren bitte ja! Ich meine das nicht allgemeingültig, sondern direkt auf einige obige nachzulesenden Kommentare zu Patenbrigaden, junge Pioniere etc. bezogen. So und nun mal Klartext hier: Du phaeake, kannst mir nicht erzählen, dass junge Pioniere militärisch gewesen sind. Ich selbst war sowohl Pionier als auch FDJler. Ich bin in keinster Weise militärisch (im Gegenteil). Ich habe keinen Schaden (im Gegenteil) daran genommen. Mich kotzt dieser Vergleich tierisch an, er hinkt und stinkt zum Himmel. Und nein, ich will keine DDR mehr, ich lebe im Westen und ich finde es gut so wie es ist. Ich bin ein glücklicher Mensch und ich war auch ein sehr sehr glückliches Kind.

Sebbel, 2. September 2002 um 15:46:07 MESZ

An Sebbel und alle andren Patenbrigaden-Rosa-Finder

  1. Ich bemühe mich immer - im Rahmen meiner durch geographischer Herkunft und Klassenbewusstsein gesetzten Grenzen - um eine differenzierte Sicht der Dinge.

  2. Ich fände es schön, wenn differenzierte Aussagen auch als solche zur Kenntnis genommen würden und nicht vergröbernd und primitivierend ausgelegt würden.

  3. Ich habe zB nie (weder hier noch anderswo) die DDR mit dem Dritten Reich verglichen und sehe in einem solchen Vergleich (genauso wie seewolf) eine Verharmlosung der Nazis. Ich möchte mir aber mit dem Argument meiner physischen Abwesenheit die Kritik an keinem Staat entwerten oder verbieten lassen.

  4. Ich habe nicht gesagt, dass die Jungen Pioniere, oder gar jeder ehemalige Junge Pionier "militärisch" waren. Mein Bezug auf den Namen (Anführungszeichen!) dieser Organisation erfolgte in eindeutigem Zusammenhang mit der Kritik an der BEZEICHNUNG Patenbrigade wegen der militärischen Konnotation von "Brigade". Der Begriff "Pionier" entstammt ebenso der militärischen Fachsprache. Wer eine Organisation für Kinder ab 6 Jahre so benennt (natürlich nicht: jedes Mitglied), muss sich schon den Vorwurf des Militarismus anhören, zumal wenn dann noch der Uniform-Schnickschnack mit den Halstüchern dazukommt. ("Wir Jungen Pioniere halten unser blaues Halstuch stets in Ehren" lautete ein Beispielssatz aus einer DDR-GRAMMATIK der 70er.)

  5. Ich käme nie auf die Idee, als Konsequenz meiner Kritik an der DDR denen, die dort aufgewachsen sind, eine glückliche Kindheit abzusprechen. Auch schützt das Leben in einem demokratischem Staat leider nicht vor einer unglücklichen Jugend. Darin, dass manche Ostdeutsche diesen Schluss aber ziehen wollen ("Wir waren glücklich, also kann der Staat so schlecht nicht gewesen sein"), sehe ich aber schon eine Spätfolge "realsozialistischer" Staatsphilosophie, die den Dialog zwischen Ost und West auch 12 Jahre nach der Einheit erschwert.

phaeake, 2. September 2002 um 20:26:32 MESZ

:o) Naja, ich merke schon, du bist allwissend. ;o)

Sebbel, 3. September 2002 um 01:00:18 MESZ

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